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Prof. Dr. Günter Stalla
Prof. Dr. Günter Stalla
Oberarzt, Leiter der Inneren Medizin, Endokrinologie, Neuroendokrinologischen Ambulanz und Andrologie, Forschungsgruppenleiter
Telefon: +49 (0) 89-30622-270
Links: Pubmed

Forschungsgruppe

Klinische Neuroendokrinologie

Die klinischen und präklinischen Forschungsinteressen der Forschungsgruppe stehen in engem Zusammenhang mit den Erkrankungen, die in unserer neuroendokrinologischen Ambulanz behandelt werden. Da ein Großteil der jährlich fast 2000 behandelten Patienten hypophysäre Störungen (Hypophyseninsuffizienz, Hypophysentumoren, u. a.) aufweist, bildet die Aufklärung der zugrunde liegenden Pathomechanismen einen Forschungsschwerpunkt der Forschungsgruppe. Aber auch zu anderen endokrinen Störungen wie der Transsexualität oder metabolischen Erkrankungen werden klinische und präklinische Forschungsprojekte durchgeführt. Dabei hat sich als weiterer Forschungsschwerpunkt die Untersuchung der Pathogenese metabolischer Störungen herauskristallisiert. Diese ist auch von hoher Relevanz für die im Zusammenhang mit der antidepressiven Behandlung beobachteten metabolischen Veränderungen bei Patienten, die an Depression leiden.

Neuropsychiatrische, neurologische und metabolische Aspekte bei hypophysären Störungen

In klinischen Studien wird in enger Kooperation mit Psychiatern/Psychologen und Neurologen des Instituts und externen Zentren untersucht, welche neuropsychiatrischen, neurologischen und metabolischen Veränderungen bei Patienten mit hypophysärem Hormonexzess und Hormonmangel beobachtet werden und wie diese sich unter der Therapie verändern.

Bei Patienten mit endokrin aktiven Hypophysenadenomen konnten wir zeigen, dass es zu neuropsychiatrischen (z. B. Kognition, Schlaf, Lebensqualität), morphologischen (Gehirnarchitektur) und neurologischen (Schmerzempfinden) Veränderungen kommt, die sich nach erfolgreicher Therapie des Hormonexzesses (Tumorresektion, pharmakologische Hormonsuppression) bessern können. Weitere Untersuchungen hierzu werden aktuell durchgeführt.

Bei Hormoninsuffizienz, wie sie z. B. nach einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) oder einer Subarachnoidalblutung (SAB) auftreten kann, wird derzeit in Zusammenarbeit mit neurologischen Reha-Zentren überprüft, ob die adäquate Hormonsubstitution die multiplen klinischen Probleme der Patienten nach SHT oder SAB verbessern kann. In einem weiteren Projekt wird überprüft, welchen Einfluss die Nachahmung zirkadianer Rhythmen bei der Hormonsubstitution im Vergleich zur Bolusapplikation hat. Letztere hat oft zur Folge, dass es bei der Applikation mancher Hormone zu psychischen oder metabolischen Problemen kommt, die bei zirkadianer Nachahmung möglicherweise vermieden werden können.

Einfluss von Sexualhormonen auf die Stress-Reaktivität bei transsexuellen Patienten

Die stressbedingte Hyperaktivierung der HPA-Achse dürfte maßgeblich an der Induktion einer Depression beteiligt sein. Wegen der erhöhten Prävalenz der Depression bei Frauen dürften aber auch Sexualhormone eine wichtige auslösende Rolle spielen. Wir wollen untersuchen, wie sich in unserem Kollektiv transsexueller Patienten die gegengeschlechtliche Sexualhormontherapie auf die basale und stimulierte Aktivität der HPA-Achse auswirkt und womöglich mitverantwortlich für die erhöhte Prävalenz der Depression bei Mann-zu-Frau Transsexuellen ist.

NeoExNET

Mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wurde das Exzellenz-Netzwerk für neuroendokrine Tumoren (NeoExNET) gegründet, in dem mehrere Kompetenzzentren für neuroendokrine Tumoren, u. a. Hypophysenadenome, kooperieren. Nach Aufbau einer Sammlung klinischer Daten können in einem großen Patientenkollektiv Studien durchgeführt werden, die dazu dienen, diagnostisch relevante Biomarker und Prognosefaktoren zu identifizieren und neue therapeutische Behandlungskonzepte für Hypophysentumoren zu entwickeln. Letztlich soll dadurch eine optimierte Patientenversorgung und Qualitätssicherung erreicht werden.

Pathogenese und Pharmakotherapie von Hypophysentumoren

In Hypophysentumoren interagieren Tumorzellen, Stromazellen, Gefäßzellen und Immunzellen über direkte Zell-Zell-Kontakte und lösliche Faktoren miteinander. Diese Interaktionen spielen bei der Tumorneovaskularisation mittels Angiogenese oder bei neuroendokrin-immunen Prozessen eine wichtige Rolle. Die Identifizierung der beteiligten Mechanismen soll dazu dienen, anti-angiogenetische bzw. immunsuppressive Therapiekonzepte für Hypophysentumoren zu entwickeln. Im Fokus steht derzeit der Sumoylierungsverstärker RSUME, der sowohl Schlüsselfaktoren neuroendokrin-immuner als auch angiogenetischer Prozesse reguliert.

Pharmakologische Liganden des Somatostatinrezeptors 2 (SSTR2) sensibilisieren Hypophysentumorzellen für die Behandlung mit chemotherapeutischen Substanzen. Die Kombinationstherapie mit SSTR2 Liganden und mTOR Inhibitoren hat erste vielversprechende Ergebnisse erbracht und wird weiter verfolgt.

Wir haben gezeigt, dass HSP90-Inhibitoren in vitro und in vivo das Wachstum und die ACTH-Sekretion von kortikotropen Hypophysentumoren hemmen und die pathophysiologischen Veränderungen im Tiermodell weitgehend revertieren. Die Untersuchungen zum Wirkmechanismus werden weitergeführt; die Erprobung der Wirksamkeit auf klinischer Ebene ist geplant.

Pathogenese des metabolischen Syndroms und der Adipositas

Komponenten des IGF-1 Systems sowie FKBP Immunophiline, insbesondere FKBP5/FKBP51, sind wichtige Bestandteile der Physiologie von Adipozyten. Inwieweit die Deregulation dieser Komponenten in Adipozyten zur Entwicklung des metabolischen Syndroms und der Adipositas beiträgt, ist Gegenstand laufender Untersuchungen.

In einem weiteren Projekt wird untersucht, welche Rolle der posttranslationale Prozess der Neddylierung für Adipogenese, Fettstoffwechsel und Adipositas spielt. Neddylierte Proteine werden in Adipozyten stark exprimiert, wobei sich die Expression im Verlauf der Adipogenese verändert. Auch für die Biologie der Adipozyten (Lipolyse) ist nach ersten Befunden die Neddylierung von Bedeutung. In laufenden in vitro und in vivo Untersuchungen soll aufgeklärt werden, über welche Mechanismen die Neddylierung die Genese und die Biologie von Adipozyten beeinflusst.  

 
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