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Dr. Ulrike Schmidt
Dr. Ulrike Schmidt
Oberärztin, Leiterin der Trauma-Ambulanz, Forschungsgruppenleiterin
Telefon: +49 (0) 89-30622-0

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Reden Sie mit! Welche Fragen im Bereich "Psychische Erkrankungen" soll die Wissenschaft Ihrer Meinung nach aufgreifen?

Open Innovation in Science

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Forschungsgruppe

Molekulare Psychotraumatologie

Existentiell bedrohliche Erlebnisse können zu schweren psychischen Erkrankungen mit hohem Leidensdruck führen. Tatsächlich entwickeln nur 5-15 % der von solchen Erlebnissen Betroffenen eine Posttraumatische Belastungsstörung, eine Anpassungsstörung oder Ähnliches, was verdeutlicht, dass diese Psychotrauma-assoziierten Erkrankungen keine unabwendbaren Konsequenzen traumatischer Erlebnisse sind, sondern pathologisch veränderte Anpassungsprozesse darstellen. Die molekularen Korrelate dieser gestörten posttraumatischen Adaptation sind noch weitestgehend unbekannt.

Daher hat sich die Forschungsgruppe Molekulare Psychotraumatologie in enger Zusammenarbeit mit der von Dr. Schmidt geleiteten Trauma-Ambulanz des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie zum Ziel gesetzt, mittels eines translationalen Forschungskonzepts zur Aufklärung der molekularen Grundlagen der Posttraumatischen Belastungsstörung und verwandter Erkrankungen beizutragen: Durch die enge Verknüpfung von molekularbiologischen/biochemischen Untersuchungen, klinischen Studien und der Forschung an Tiermodellen sollen die Pathomechanismen und Biomarker von Psychotrauma-assoziierten Erkrankungen identifiziert werden - mit dem Ziel, neue Therapiestrategien für diese Erkrankungsgruppe zu entwickeln.

Die Geschichte der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist lang: Bereits etwa um 1900 vor Chr. schilderte ein ägyptischer Arzt psychische Veränderungen bei Kriegsveteranen. 1889 beschrieb der deutsche Neurologe Hermann Oppenheim (1858-1919) in seinem damals umstrittenen Werk "Die traumatischen Neurosen“ den Symptomenkomplex der heute als Posttraumatische Belastungsstörung bekannten Krankheit. Erst 1980 wurde die PTBS in das "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders" (DSM III), in den 1990er Jahren dann auch in das Diagnosemanual der WHO aufgenommen. Daraus lässt sich ableiten, dass die PTBS-Forschung noch vergleichsweise jung ist. Dementsprechend gab es auch Anfang 2010 nur zwei Medikamente, die offiziell zur medikamentösen Behandlung der PTBS zugelassen sind.

Die PTBS zählt zu den Angststörungen und umfasst drei Hauptsymptome, nämlich Nachhallerinnerungen (Flashbacks, Intrusionen), vegetative Übererregbarkeit (erhöhte Schreckhaftigkeit, dauerhafte Nervosität, Tremor) sowie eine ausgeprägte Vermeidungsangst.

Die Forschungsgruppe um Carsten Wotjak zeigte, dass Mäuse nach einem traumatischen elektrischen Fuß-Schock ebenfalls PTBS-ähnliche Symptome entwickeln. Im Rahmen eines Kollaborationsprojekts suchen wir in diesem Mausmodell auf Protein-, RNA- und DNA-Ebene nach Biomarkern und pathogenetischen Mechanismen der PTBS. In Ergänzung zu dieser Tierstudie starten wir demnächst eine klinische PTBS-Biomarker Studie, bei der wir zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Therapieverlauf epigenetische, proteomische, Genexpressions-, aber auch endokrinologische und psychometrische Parameter bestimmen werden. Außerdem suchen wir seit kurzem auch in Proben unserer historischen Hirnbank nach genetischen und proteomischen Veränderungen in Präparaten von Patienten mit PTBS-äquivalenten Erkrankungen, wie beispielsweise der "Schreckneurose“.

Neben diesen klinischen, Tiermodell- und neuropathologischen Screening-Untersuchungen analysieren wir mit vorwiegend molekularbiologischen Methoden die Rolle und Funktion verschiedener PTSD-Kandidatenmoleküle, zu denen u.a. FKBP5, einige  Neuropeptide, das DNA-bindende Protein p20, der Mineralokortikoid-Rezeptor und ein bestimmtes Transmembran-Protein zählen. Zusammenfassend versuchen wir also, die pathogenetischen Grundlagen der PTBS mit verschiedenen wissenschaftlichen Methoden und in unterschiedlichen PTSD-Phänotypen näher zu beleuchten, um so die Entwicklung neuer Therapiestrategien zu fördern.

 
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