Tomas Hökfelt wurde mit der Goldenen Kraepelin-Medaille geehrt

15. November 2012

Die Stiftung Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie verlieh eine der höchsten Auszeichnungen im Bereich der psychiatrischen Neurowissenschaften an den schwedischen Arzt und Wissenschaftler Professor Dr. Tomas Hökfelt. Der emeritierte Professor vom Karolinska Institut in Stockholm wurde für sein Lebenswerk zur Erforschung der chemischen Kommunikation im Nervensystem ausgezeichnet. Seine Arbeiten haben das heutige Verständnis psychiatrischer Erkrankungen maßgeblich beeinflusst. Als fünfter Preisträger der Goldenen Kraepelin-Medaille innerhalb der letzten 20 Jahre gehört Prof. Hökfelt zu den herausragenden Forscherpersönlichkeiten unserer Zeit. Die Verleihung erfolgte am 15. November 2012, anlässlich des 90. Jahrestages der Eröffnung der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie.

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Der Preisträger der Goldenen Kraepelin-Medaille Prof. Tomas Hökfelt und Prof. Florian Holsboer (links im Bild) bei der feierlichen Verleihung.  

Tomas Hökfelt gehört zu den Entdeckern der chemischen und molekularen Neuroanatomie und hat mit seinem wissenschaftlichen Wirken unser heutiges Verständnis der Signalübertragung zwischen Nervenzellen geprägt. Dass Nervenzellen über verschiedene Botenstoffe miteinander kommunizieren, wurde von Tomas Hökfelt bereits im Jahre 1977 erstmalig beschrieben. Er gilt seitdem als Begründer des „Koexistenzprinzips“, wonach eine Nervenzelle gleichzeitig über mehrere verschiedene Botenstoffsysteme kommunizieren kann. Welche besondere Rolle die Klasse der Neuropeptide dabei spielt, hat Prof. Hökfelt in den letzten 30 Jahren entschlüsselt.  Seine detaillierten Studien - sowohl zur Verteilung als auch zur Wirkung der einzelnen Botenstoffsysteme im Nervensystem - haben Peptide als wichtige Modulatoren der Zell-Zell-Kommunikation identifiziert. Neuropeptiden wird seitdem eine wichtige Rolle bei psychiatrischen Störungen wie Angsterkrankungen und Depression, aber auch bei kognitiven Leistungen wie Lernen und Erinnern zugewiesen.

Im Rahmen der akademischen Feierstunde würdigte Prof. Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, den Preisträger in seiner Laudatio wie folgt:

„Tomas Hökfelt ist ein herausragendes Beispiel, wie vorbildliche Beharrlichkeit und wissenschaftliche Stringenz ein ganzes Forschungsfeld in Bewegung setzen kann. Mit seinen bahnbrechenden Arbeiten zur Verknüpfung von Neuroanatomie und Neurochemie steht er ohne jeden Zweifel in der wissenschaftlichen  Tradition unseres Institutsgründers Emil Kraepelin. Hökfelt konnte nachweisen, was Kraepelin 1886 in seiner Inaugurationsrede an der Universität in Dorpat nur annehmen konnte, nämlich dass psychiatrische Störungen als „Veränderungen der chemischen Zusammensetzung der Nervenmasse“ anzusehen sind.“

Tomas Hökfelt wurde im Juni 1940 in Stockholm, Schweden, geboren und studierte Medizin am dortigen Karolinska Institut. Er promovierte 1968 und war danach bis 1979 Assistenzprofessor und bis zu seiner Emeritierung 2006 Professor für Histologie und Zellbiologie in der Abteilung für Neurowissenschaften des Karolinska Instituts.

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