Abbildungen

<strong>Abbildung 1: Schematische Darstellung von verschiedenen Interaktionskontingenzen im Rahmen von dyadischer Interaktion.</strong> Bild vergrößern
Abbildung 1: Schematische Darstellung von verschiedenen Interaktionskontingenzen im Rahmen von dyadischer Interaktion.
<p><strong>Abbildung 2: Schematische Darstellung von Unterschieden in den experimentellen Paradigmen zur Untersuchung von sozialer Wahrnehmung und Interaktion.<br /></strong>W&uuml;rfel [1] z. B. steht f&uuml;r Studien, in der Versuchsteilnehmer keinen direkten Einfluss auf die gesehenen Stimuli haben. W&uuml;rfel [2] steht f&uuml;r Studien, die dem Versuchsteilnehmer erlauben, solchen Einfluss auszu&uuml;ben (z. B. durch interaktives Eye-tracking, siehe Text). W&uuml;rfel [3] steht f&uuml;r Studien, bei denen zwei Probanden gleichzeitig in einer strukturierten Interaktion untersucht werden. W&uuml;rfel [4] und [5] stehen f&uuml;r Studien, bei denen &ouml;kologisch valide Echtzeitinteraktionen untersucht werden. Dunkel markierte W&uuml;rfel zeigen Bereiche an, die bisher nur wenig erforscht sind.</p> Bild vergrößern

Abbildung 2: Schematische Darstellung von Unterschieden in den experimentellen Paradigmen zur Untersuchung von sozialer Wahrnehmung und Interaktion.
Würfel [1] z. B. steht für Studien, in der Versuchsteilnehmer keinen direkten Einfluss auf die gesehenen Stimuli haben. Würfel [2] steht für Studien, die dem Versuchsteilnehmer erlauben, solchen Einfluss auszuüben (z. B. durch interaktives Eye-tracking, siehe Text). Würfel [3] steht für Studien, bei denen zwei Probanden gleichzeitig in einer strukturierten Interaktion untersucht werden. Würfel [4] und [5] stehen für Studien, bei denen ökologisch valide Echtzeitinteraktionen untersucht werden. Dunkel markierte Würfel zeigen Bereiche an, die bisher nur wenig erforscht sind.

[weniger]
<strong>Abbildung 3: Schematische Darstellung des Versuchsaufbaus f&uuml;r &bdquo;interaktives&ldquo; (A) und &bdquo;duales&ldquo; (B+C) Eye-tracking</strong>. Bild vergrößern
Abbildung 3: Schematische Darstellung des Versuchsaufbaus für „interaktives“ (A) und „duales“ (B+C) Eye-tracking.

Max-Planck-Forschungsgruppe

Soziale Neurowissenschaft

Das Ziel der Arbeitsgruppe ist, die sozialen Neurowissenschaften weiterzuentwickeln, denn psychische Erkrankungen sind in besonderer Weise durch Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion charakterisiert. Schilbach und sein Team möchten neuronale Mechanismen sozialer Interaktion besser verstehen. Sie wollen mehr über Gemeinsamkeiten und Unterschiede von störungsbedingten, neurofunktionellen Veränderungen herausfinden, um die Bewertung und Vorhersage von Therapieeffekten besser treffen zu können.

Störungen der sozialen Interaktion können Auswirkung von sowie Risikofaktor und aufrechterhaltender Faktor für psychische Erkrankungen sein. Das Verständnis von psychischen Erkrankungen und ihrer komplexen Bedingungskonstellationen lässt sich deshalb durch die Berücksichtigung von Aspekten der sozialen Interaktion unter psychopathologischen, ätiopathogenetischen sowie therapeutischen Gesichtspunkten wesentlich bereichern. Hierbei ist festzustellen, dass unterschiedliche psychische Erkrankungen sowohl durch störungsübergreifende als auch störungsspezifische Veränderungen der Fähigkeit zur sozialen Wahrnehmung und sozialen Interaktion charakterisiert sind. Die neurobiologischen Grundlagen dieser Beeinträchtigungen im Rahmen von psychischen Erkrankungen wiederum sind bis dato nur unzureichend verstanden.

Die sogenannten "sozialen" Neurowissenschaften versuchen deshalb unter Verwendung von funktionell hirnbildgebenden Verfahren, die neuronalen Korrelate sozialer Wahrnehmung zu untersuchen. Aufgrund von konzeptuellen und methodischen Limitationen hat aber die überwiegende Mehrzahl der Untersuchungen soziale Wahrnehmung "aus der Beobachterperspektive" untersucht, in der ein Beobachter nicht in einen wechselseitigen Interaktionsprozess mit derjenigen Person eingebunden ist, die er beobachtet (Abb. 1). Nur wenige Studien haben bisher soziale Wahrnehmung "aus der Teilnehmerperspektive", d. h. in direkter sozialer Interaktion, untersucht, sodass die neurobiologischen Mechanismen von psychosozialen Erfahrungen im Rahmen von sozialer Interaktion bisher nur unzureichend charakterisiert sind (Abb. 2). Das Ziel unserer Arbeitsgruppe ist es, Weiterentwicklungsschritte im Bereich der sozialen Neurowissenschaften zu vollziehen, damit diese anhand von innovativen, ökologisch validen und multimodalen Verfahren zur Untersuchung der Funktion des menschlichen Gehirns im Rahmen von sozialer Interaktion beitragen können.

Zu diesem Zweck kombinieren wir die Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) mit Echtzeit-Augenbewegungsanalysen, um interaktive Paradigmen zu erstellen, die es erlauben, die neuronalen Mechanismen der Teilnahme an (blick-basierter) sozialer Interaktion zu erfassen (Abb. 3) und diese mit den neuronalen Korrelaten sozialer Beobachtung zu vergleichen. Hierbei verwenden wir univariate und modell-basierte sowie multivariate Analysemethoden. Diese Studien werden ergänzt durch pharmakogenetische und andere Intervention. Weiterhin führen wir Verhaltensstudien, psychophysiologische Studien und resting-state-fMRT-Studien durch, um den Einfluss von sozialer Interaktion auf prosoziales Verhalten, Selbstregulationsfähigkeit, Entscheidungsfindung sowie intrinsische Netzwerkaktivität anhand von Konnektivitätsanalysen zu untersuchen. Auch untersuchen wir unter Berücksichtigung von diffusions-basierten MRT-Aufnahmen Struktur-Funktionsbeziehungen des Gehirns und deren Einfluss auf soziale Interaktionsfähigkeit.

Basierend auf der Annahme, dass psychische Erkrankungen in besonderer Weise durch Beeinträchtigungen der Fähigkeit zur Teilnahme an sozialer Interaktion charakterisiert sind, sollen in enger Zusammenarbeit mit der Klinik verschiedene Patientengruppen (hochfunktionaler Autismus, chronische Depression, soziale Phobie, Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie) im Sinne eines transdiagnostischen Ansatzes untersucht werden. Insbesondere geht es hierbei darum, denkbare Gemeinsamkeiten und Unterschiede der störungsbedingten Veränderungen der neuronalen Mechanismen sozialer Interaktion zu erfassen. Darüber hinaus sollen diese neurowissenschaftlichen Erkenntnisse auch zur Bewertung und Prädiktion von Therapieeffekten eingesetzt werden. Dieser Brückenschlag zwischen der Untersuchung der neurobiologischen Grundlagen sozialer Interaktion im Falle von Gesundheit und Krankheit kann somit neue Perspektiven für den Bereich der funktionellen Hirnbildgebung in der Psychiatrie und Psychotherapie ergeben und zur Weiterentwicklung aussagekräftiger diagnostischer Verfahren sowie spezifischer Therapieansätze beitragen, die das Ziel haben, soziale Interaktionsfähigkeiten zu verstehen und zu fördern.

Zum Erreichen oben genannter Ziele arbeitet unsere Arbeitsgruppe interdisziplinär und mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern zusammen.

 
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