Störung oder Besonderheit der Geschlechtsentwicklung

Im Gegensatz zur Transsexualität, bei der sich zumindest auf den ersten Blick keine biologischen Unterschiede in Bezug auf das zugewiesene Geburtsgeschlecht feststellen lassen, handelt es sich bei Patientinnen oder Patienten, die unter einer sogenannten Störung oder Besonderheit der Geschlechtsentwicklung leiden, um Menschen, deren geschlechtliches Erscheinungsbild sich ganz maßgeblich von ihrem chromosomalen Kerngeschlecht unterscheidet. Dies ist in erster Linie dadurch bedingt, dass die Richtung der Geschlechtsentwicklung weniger vom Geschlechtschromosomensatz vorgegeben ist, als vielmehr von den Sexualhormonen, die in der Embryonalentwicklung auf unseren Körper wirken. Kommt es z. B. durch genetische Defekte zu einem geänderten hormonellen Milieu oder die Hormone können nicht wie normal an den Zielzellen ihre Wirkung entfalten, so entwickeln wir uns in eine andere Richtung als eigentlich von unserem Kerngeschlecht vorgesehen. Folge dieser Entwicklung ist es häufig, dass die Betroffenen keine spontane Pubertätsentwicklung durchlaufen, sondern diese vom Endokrinologen künstlich eingeleitet werden muss. Auch im Erwachsenenalter sind diese Menschen häufig auf künstlich zugeführte Sexualhormone angewiesen. Das Spektrum der Veränderungen ist jedoch weitläufig und so sollte jede Patientin und jeder Patient eine an ihren oder seinen speziellen Fall angepasste Therapie erhalten.

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