Angstforschung

Die Ätiologie von Angststörungen ist komplex und umfasst genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und andere bisher nicht bekannte Faktoren. Der Forschungsansatz in der Ambulanz für Angsterkrankungen integriert unterschiedliche Ebenen von Angst-Pathophysiologie. Wir untersuchen dynamische Veränderungen auf endokrinologischer und molekularer Ebene während der therapeutischen Prozesse, um ein Biomarker-Panel zu identifizieren, welches für die Einordnung von Symptomen, Erkrankungsstatus und Vorhersage von Therapiewirksamkeit genutzt werden kann. Um der komplexen Neurobiologie der Angststörungen gerecht zu werden, führen wir überdies translationale Untersuchungen durch, d. h., dass die Ergebnisse aus der  klinischen Forschung mit Erkenntnissen aus der präklinischen Forschung zusammengeführt und validiert werden. Dieses Projekt wird durch EraNet-Neuron gefördert und ist international angelegt.

Des Weiteren werden in der Angstambulanz Kandidatengen-Studien und genomweite Untersuchungen durchgeführt, um den genetischen Beitrag zur Entwicklung von Angststörungen zu definieren. Ein wichtiges Kandidatengen wurde kürzlich von uns in einer genomweiten Studie identifiziert, nämlich das Transmembranprotein 132 D (TMEM132D). Varianten in diesem Gen waren diagnoseübergreifend mit Panikstörung und der Schwere von krankhaften Ängsten assoziiert. Bisherige Untersuchungen weisen auf die Beteiligung von TMEM132D in der Vernetzung des Gehirns sowie bei der Verarbeitung von angstrelevanten Faktoren hin. Weitere molekulare und bildgebende Untersuchungen werden aktuell durchgeführt, um die Funktion und Anwendbarkeit von TMEM132D in der klinischen Behandlung zu definieren (Fig. 1).

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