Vagusnervstimulation

17. Dezember 2025

Der Vagusnerv ist ein wichtiger Nerv im Körper, der für die Kommunikation zwischen Gehirn und Organen sorgt. Forschung zeigt, dass die Stimulation des Vagusnervs bei Depressionen helfen kann. Dabei unterscheidet man zwischen invasiver (iVNS) und nicht-invasiver Vagusnervstimulation (tVNS).

Invasive Vagusnervstimulation

Der Vagusnerv ist ein wichtiger Nerv im Körper, der viele Funktionen steuert, wie zum Beispiel das Herz und die Verdauung. Die invasive Vagusnervstimulation, kurz iVNS, ist seit den früher 2000er Jahren für die Therapie der schwer behandelbaren Depression in Deutschland zugelassen. Die Wirksamkeit von iVNS zusätzlich zu Standardtherapie (z.B. Psychopharmaka & Psychotherapie) wurde in verschiedenen Studien untersucht. Dabei zeigten Patient*innen, die eine Standardtherapie plus iVNS erhielten, verglichen mit Patient*innen, die lediglich die Standardtherapie erhielten, höhere Raten von Therapieansprechen und z.T. Remission. Dabei scheint iVNS besonders gut bei denjenigen Patient*innen zu wirken, die positiv auf eine Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ansprechen bzw. angesprochen haben.

Die iVNS wird in Deutschland in spezialisierten Zentren seit Langem eingesetzt. Bislang liegen jedoch nur wenige Daten aus hochwertigen Studien vor. Die aktuelle Nationale S3 Versorgungsleitlinie zur Depression spricht daher keine Empfehlung aus, merkt jedoch an, dass iVNS bei schwer behandelbarer Depression als Alternative zur einer EKT-Erhaltungstherapie in Frage kommt.

Der Vagusnervstimulator wird durch spezialisierte Neurochirurgen in Vollnarkose unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Die Stimulationselektroden werden am linken Vagusnerv im Halsbereich angebracht. Die Fachinformation eines in Deutschland bzw. der Europäischen Union zugelassenen Vagusnervstimulators empfiehlt, die iVNS 14 Tage nach der Operation zu beginnen. Die Stimulationsparameter (Stromintensität, Impulsfrequenz, Impulsbreite, Ein- und Aus-Zeit) werden im Verlauf schrittweise in den therapeutischen Bereich gesteigert.

Die Nebenwirkungen der VNS sind meist leicht bzw. vorrübergehend. Auch die Nebenwirkungen im Rahmen der Operation bilden sich in der Regel spontan zurück. Am häufigsten kommt es im ersten Jahr nach der iVNS-Implantation und zu Beginn der Stimulation zu Stimmveränderungen, kurzzeigier Atemnot und Husten sowie Schmerzen im Bereich der Stimulation. Im zweiten Jahr der Behandlung zeigt sich oft eine deutliche Abnahme der Nebenwirkungen, da sich der Körper an die Stimulation gewöhnt.

Die iVNS wird derzeit nur in ausgewählten Einzelfällen und nach umfassender Aufklärung zum aktuellen Wissensstand inklusive möglicher Risiken und Nebenwirkungen durchgeführt. Den Vagusnervstimulator können wir in unserer Klinik nicht implantieren. Wenn bei Ihnen in der Vergangenheit aber bereits ein iVNS-System implantiert wurde, kann eine ambulante Betreuung und Nachsorge in unserer Klinik erfolgen. Technisch bedingt können aktuell nur bestimmte Hersteller/Implantate betreut werden.

Non-invasive transaurikuläre Vagusnervstimulation (tVNS) 

Transkutane, aurikuläre Vagusnervstimulation, kurz tVNS, ist eine nicht-invasive elektrische Stimulationsmethode des Vagusnervs. Dieser wird transkutan, das heißt durch die Haut, mittels sanfter elektrischer Impulse am Ohr stimuliert. Neuere Studien zeigen, dass die tVNS auch bei depressiven Störungen einen positiven Effekt haben könnte. Welche biologischen Mechanismen dabei beteiligt sind und wie sie eventuell zur Besserung von Symptomen führen, ist jedoch noch nicht ausreichend untersucht. Zudem liegen bis dato nur sehr wenige Studien mit hoher Qualität vor, die die Wirkung von tVNS untersucht haben. Die aktuelle Nationale S3 Versorgungsleitlinie zur Depression ordnet das Verfahren daher noch als experimentell ein. Aus diesem Grund ist eine Anwendung in der klinischen Routineversorgung aktuell nicht möglich.

Jedoch besteht aufgrund der einfachen Anwendung von tVNS (ähnlich einem in-ear Kopfhörer), den geringen Nebenwirkungen und der möglicherweise positiven Auswirkungen auf den Verlauf depressiver Episoden großes Interesse an dieser Stimulationsform. Um hier voranzukommen, wollen wir an der Forschungsklinik des Max-Planck-Instituts dazu beitragen, die Auswirkungen der tVNS genauer zu verstehen und führen die AddVNS-Studie durch. Langfristiges Ziel ist es, Patient*innen präziser, individueller und mit möglichst wenig Nebenwirkungen behandeln zu können.

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