Schizophrenie

Die häufigsten Fragen:

1. Was ist Schizophrenie?

Der Begriff Schizophrenie wurde 1911 von Eugen Bleuler für eine bis dahin von Emil Kraepelin als Dementia praecox bezeichnete Gruppe psychischer Störungen vorgeschlagen.
Die Erkrankungen aus der Gruppe der Schizophrenie führen zu sehr unterschiedlichen psychischen Beschwerden, nicht selten jedoch zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Gesamtverfassung.
Die Ursache dieser Erkrankungen liegt in einer Störung des Nervenstoffwechsels. Die Bezeichnung Schizophrenie gilt heute als zu ungenau und wird dem Kenntnisstand über die verschiedenen Formen der Erkrankung nicht mehr gerecht.

2. Welche Beschwerden kennzeichnen schizophrene Erkrankungen?

Die psychischen Beschwerden dieser Erkrankungen betreffen vor allem die Denkstruktur, die Reizverarbeitung und Sinneswahrnehmungen.
Oft geht die Fähigkeit verloren, zusammenhängend und geordnet zu denken bzw. zu sprechen, die Aufmerksamkeit zu bündeln oder sich zu konzentrieren. Vor allem aber sind die Inhalte der Gedanken betroffen; es stellt sich typischerweise die Gewissheit ein, von anderen beobachtet, absichtlich benachteiligt, verfolgt, geschädigt und beeinträchtigt zu werden, obwohl dies nicht der Realität entspricht.
Es entsteht der Eindruck, wie wenn Fremde auf der Straße oder in der U-Bahn über einen sprechen würden. Man bezieht zufällige Umwelteindrücke auf sich selbst. Autonummern, Zeitungstexte, Gesten von Mitmenschen bekommen plötzlich eine besondere Bedeutung, sollen einem „etwas sagen“. Es treten meist unangenehme Sinnestäuschungen auf, vor allem das Hören von Stimmen „im Kopf“, die abwertende Kommentare äußern oder miteinander sprechen. Menschen oder Gegenstände werden gesehen, die nicht vorhanden sind, oder eigentümliche körperliche Sinnestäuschungen wahrgenommen, die manchmal „wie von außen gemacht“ erscheinen.
Selbst die eigenen Gedanken können sich wie manipuliert und „von außen eingegeben“ darstellen. Die Gefühlslage ist dabei oft misstrauisch und zurückhaltend, aber auch ängstlich oder ratlos. Zumeist besteht im Rahmen einer Schizophrenie das Bedürfnis, sich von den Mitmenschen zurückzuziehen.
Auch der generelle Antrieb, etwas zu unternehmen, den Tag zu gestalten, kann sehr reduziert sein. Die größte Gefahr für den Patienten stellen Suizidgedanken dar. Entsprechende Handlungen oder Äußerungen, sich das Leben zu nehmen, müssen sehr ernst genommen werden.
Es gibt zudem Erkrankungszustände, bei denen vor allem die Unfähigkeit vorherrscht, geordnet und planmäßig zu handeln sowie den Alltag zu bewältigen. Die Gefühlsempfindungen sind in ihrer Bandbreite eingeschränkt, die Betroffenen wirken in sich gekehrt und unbeteiligt am äußeren Geschehen. Manchmal liegt auch eine unangemessene Heiterkeit oder eine durchgehende Zwiespältigkeit vor, die den Patienten jegliche Entscheidungen erschwert. In seltenen Fällen ist das auffälligste Symptom einer Schizophrenie aber ein verändertes Bewegungsverhalten mit extremer Verlangsamung, Haltungsstarre sowie einer fehlenden Fähigkeit zur Kontaktaufnahme.
Im Verlauf einer sogenannten schizoaffektiven Störung können Denkstörungen und Sinnestäuschungen auch mit einer depressiven Verstimmung oder, im Gegensatz dazu, mit einer manischen Symptomatik einhergehen, d. h. einer auffälligen Kontaktfreudigkeit, Überaktivität, gehobener Stimmung, Größenideen, Gereiztheit und reduzierter Schlafdauer.
Die Symptome einer Schizophrenie entwickeln sich unterschiedlich rasch, halten häufig über Wochen und Monate an und klingen dann langsam ab. Oft kommt es weit vor Beginn der akuten Erkrankung zu Problemen bei der Konzentration, der Leistungsfähigkeit oder zu Schlafstörungen. Außenstehende haben den Eindruck, dass sich der Betreffende psychisch verändert hat.
Es ist wichtig zu wissen, dass der Konsum bestimmter Drogen, v. a. von Cannabis und Kokain, die Symptome einer Schizophrenie auslösen bzw. die Erkrankung „lostreten“ können. Auch nach Abklingen der Denkstörungen und der Sinnestäuschungen können depressive Verstimmungszustände mit starker Erschöpfung oder aber anhaltende Beeinträchtigungen in der Tatkraft, Motivation und Zielstrebigkeit auftreten. Hartnäckige Einschränkungen in der psychischen Leistungsfähigkeit können heute gut neuropsychologisch trainiert werden.

3. Häufigkeit der Schizophrenie

Über viele Jahrzehnte wurde das Lebenszeitrisiko für die Schizophrenie konstant auf etwa 1 % (1 von 100 Personen) beziffert. Neuere Untersuchungen gehen aber davon aus, dass nur etwa 7 von 1000 Personen im Leben einmal an einer Schizophrenie erkranken.
Schizophrene Erkrankungen können in jedem Alter auftreten, auch bei Kindern und Jugendlichen. Der Erkrankungsbeginn ist bei Männern früher als bei Frauen. Es gibt Hinweise dafür, dass auch die Neuerkrankungsrate bei Männern höher ist als bei Frauen.
Verschiedene Faktoren können das Erkrankungsrisiko steigern, u. a. der Wechsel von Heimatland und Kulturkreis (Migration), das städtische Umfeld, die Jahreszeit der Geburt (Wintermonate) und der Breitengrad des Geburtsortes (nördliche Hemisphäre).

4. Wie entsteht eine Schizophrenie?

Den Symptomen einer Schizophrenie liegt immer eine Störung des Nervenstoffwechsels zugrunde. Nur eine funktionierende chemische Balance von Botenstoffen in den Nervenzellen des Gehirns stellt sicher, dass Umgebungseindrücke und innerpsychische Vorgänge gefiltert werden, um Unwichtiges aus der bewussten Wahrnehmung auszublenden. Dies ist die Grundlage der Konzentrationsfähigkeit, der Aufmerksamkeit, des geordneten Denkens und planvollen Handelns. Auch die angemessene Bewertung des Verhaltens der Mitmenschen und die Fähigkeit zur vertrauensvollen Kontaktaufnahme sind das Produkt komplexer Gehirnfunktionen.
Es gibt eine Reihe von Annahmen, warum die an der Erkrankung beteiligten Botenstoffe des zentralen Nervensystems aus dem Gleichgewicht kommen. Als entscheidende Ursache gilt die genetische Veranlagung zur Schizophrenie, wobei es kein einzelnes Gen für die Erkrankung gibt, sondern viele genetische Auffälligkeiten zusammenwirken müssen, um die Krankheitssymptome hervorzurufen. Auf dem Boden der genetischen Veranlagung können dann Zusatzfaktoren wie z. B. starke psychische Belastungen, aber auch schwere oder wiederholte Verletzungen des Gehirns oder die Einnahme von Medikamenten und Drogen die beschriebenen Denkstörungen und Sinnestäuschungen auslösen.
Bemerkenswerterweise werden schizophrene Erkrankungen ursächlich auch mit Genen in Zusammenhang gebracht, die die entwicklungsbiologisch frühe Organentwicklung des Gehirns steuern und die Ausbildung von neuronalen Netzwerken gewährleisten. Ebenso werden Geburtskomplikationen oder infektiöse Erkrankungen des Nervensystems als Ursachen von Schizophrenie diskutiert.
Die bisher nachgewiesenen genetischen Veränderungen bei Schizophrenie beziehen sich auf ganz unterschiedliche Stoffwechselvorgänge in den Nervenzellen verschiedener Hirnregionen. Vor allem ist die Regulation des dopaminergen Botenstoffsystems betroffen, aber auch die der glutamatergen oder GABAergen Erregungsübertragung.
Die Symptome schizophrener Erkrankungen treten auch bei anderen Erkrankungen auf, die das Nervensystem betreffen, z. B. bei Entzündungen, einer Anfallserkrankung oder Hormonstörungen.

5. Wie kann man eine Schizophrenie diagnostizieren und behandeln?

Die Diagnose einer Erkrankung aus der Gruppe der Schizophrenie setzt immer eine sorgfältige psychiatrische und neurologische Untersuchung einschließlich einer genauen medizinischen Abklärung voraus. Es ist dabei unerlässlich, Funktion und Struktur des Nervensystems mittels technischer Zusatzuntersuchungen, wie z. B. der kernspintomographischen Bildgebung, zu erfassen. Auch das Nervenwasser sollte in Bezug auf Entzündungserkrankungen untersucht und bestimmte Hormonstörungen sollten durch Blutabnahmen ausgeschlossen werden.
Die wichtigste Therapie der Erkrankung besteht aus der anhaltenden Korrektur der zugrunde liegenden Stoffwechselstörung mittels geeigneter Medikamente, vor allem der Neuroleptika. Das Wirkprinzip der heute gängigen Neuroleptika beruht meist auf der Wiederherstellung einer geregelten dopaminergen Erregungsübertragung in bestimmten Hirnregionen. Dies lindert die akuten Symptome oft rasch.
Es können aber unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, die vor allem die Bewegungsabläufe und die Appetit- und Gewichtsregulation betreffen. Für die Patientinnen und Patienten und deren Angehörige ist es deswegen sehr wichtig, sich ausreichend über die Wirkungsweise und Nebenwirkungen von Neuroleptika zu informieren.
Die intensive Begleitung der Patienten mit Schizophrenie, die Vermittlung von Wissen über die Ursache, der Umgang mit der Erkrankung und der Medikation tragen wesentlich zum Behandlungserfolg bei. Hier kann eine psychologische Betreuung der Patientinnen und Patienten und ihrer Angehörigen sehr hilfreich sein.
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