Zwangsstörungen

Die häufigsten Fragen:

1. Was ist eine Zwangsstörung?

Die wesentlichen Symptome einer Zwangsstörung sind ungewollt wiederkehrende, als unsinnig oder quälend erlebte Gedanken und Handlungen, die beim einzelnen Patienten in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination auftreten. Diese sogenannten Zwangsgedanken und Zwangshandlungen können zu einer massiven Beeinträchtigung des täglichen Lebens führen. Zwangsgedanken werden von den Betroffenen meist als völlig sinnlos beschrieben, z. B. Zählzwänge, haben aber gelegentlich auch sexuelle, religiöse oder aggressive Inhalte. Angst vor Infektionen durch Keime oder Schmutz sowie starker Ekel vor Körperausscheidungen kommen ebenfalls vor. Zwangsgedanken werden als eigene Gedanken empfunden, aber gleichzeitig als unwillkürlich und oft auch als abstoßend. Zwangshandlungen sind Vorgänge, die ständig wiederholt werden müssen. Diese Handlungen werden aber weder als angenehm empfunden noch dienen sie der Erfüllung nützlicher Aufgaben. Bei manchen Betroffenen wird aus der Zwangshandlung ein Zwangsritual, das in einer bis ins Einzelne ausgearbeiteten Art und Weise oft stundenlang ausgeführt werden muss, gelegentlich verbunden mit Entschlusslosigkeit und Verlangsamung. Typische Zwangshandlungen betreffen die persönliche Hygiene (z. B. unnötig häufiges und lang dauerndes Händewaschen), das Kontrollieren (übertriebene und wiederholte Überprüfung von Türschlössern, Herdplatten, Wasserhähnen usw.), das Berühren (Gegenstände müssen angefasst oder dürfen gerade nicht angefasst werden) oder das Horten (Sammeln wertloser oder verbrauchter Gegenstände). Die Zwangshandlungen werden oft als Vorbeugung gegen objektiv höchst unwahrscheinliche Ereignisse erlebt, die den Patienten schaden oder bei denen sie selbst Schaden verursachen könnten.

2. Wie häufig sind Zwangsstörungen?

Man nimmt an, dass etwa 2 - 3 % der Bevölkerung an einer Zwangsstörung leiden. Die Erkrankung ist bei Frauen und Männern gleich häufig.

3. Wie verläuft die Zwangsstörung?

Meistens beginnen Zwangsstörungen in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter. Häufig bestehen schon vorher zwanghafte Persönlichkeitszüge.
Ohne adäquate Behandlung verläuft die Zwangsstörung in der Regel chronisch. Bei einem Teil der Patienten bleibt die Beeinträchtigung über Jahre hinweg gleich, bei anderen kommt es zu einer fortschreitenden Zunahme, bis die Erkrankung schließlich den Patienten völlig beherrscht und die Zwänge ihn von Berufstätigkeit und Privatleben ausschließen.
Da Patienten das zwanghafte Verhalten in der Regel als sinnlos erleben, versuchen sie zunächst, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen bewusst zu unterdrücken. Bei längerer Dauer der Erkrankung wird dieser Widerstand schließlich gering.
Angstsymptome oder quälende innere Anspannung sind dann häufig. Zwangsstörungen gehen nicht selten mit Symptomen einer Depression, wie gedrückter Stimmung und vermindertem Antrieb, einher. Allerdings können auch im Verlauf einer Depression Zwangsgedanken auftreten.

4. Ursachen der Zwangsstörung

Ähnlich wie andere psychische Erkrankungen ist die Zwangsstörung eine Erkrankung des Gehirns. Zwar sind die genauen Ursachen der Zwangsstörung bisher nicht bekannt, Forschungsergebnisse deuten aber darauf hin, dass Veränderungen in Hirnsystemen vorliegen, welche die Ausführung sich wiederholender Handlungsschritte regulieren.
Ein gehäuftes Auftreten in betroffenen Familien deutet auf eine genetische Veranlagung hin. Dies bedeutet aber keineswegs, dass die Erkrankung regelmäßig auch bei den leiblichen Angehörigen der Erkrankten auftritt. Möglicherweise begünstigen psychologische Faktoren und Stress das Auftreten und die Ausprägung der Erkrankung.

5. Wie erfolgt die Behandlung der Zwangsstörung?

Bei leichter Symptomatik kann eine alleinige Verhaltenstherapie ausreichen. Wenn die Symptomatik stärker ausgeprägt ist, müssen Verhaltenstherapie und medikamentöse Therapie kombiniert werden.
Bei der medikamentösen Therapie ist die Wirksamkeit der Antidepressiva vom Typ der sogenannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer gut belegt. Manche Patienten profitieren von der zusätzlichen Gabe anderer Substanzklassen, insbesondere von den sogenannten atypischen Neuroleptika.
Im Rahmen der Verhaltenstherapie werden durch Übungen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sowie die darauf folgenden Angsterlebnisse reduziert. Die Psychoanalyse ist in der Therapie der Zwangsstörung nicht hilfreich.

6. Wie lassen sich Rückfälle vermeiden?

Zwangsstörungen sind meistens chronische Erkrankungen.
Das Absetzen einer erfolgreichen medikamentösen Therapie geht mit einem erheblichen Rückfallrisiko einher. Viele Patienten müssen daher ihre Medikamente langfristig einnehmen. Ferner liegen Hinweise dafür vor, dass eine erfolgreiche Verhaltenstherapie vor einem Rückfall nach langsamem Ausschleichen der Medikamente schützt.
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