Vier Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie gewinnen EU-Förderung

4. Dezember 2013

Begehrte ERA-Net NEURON Förderungen für die Erforschung von Erkrankungen des Gehirns oder Nervensystems gehen an Dr. Elisabeth Binder, Dr. Alon Chen, Dr. Chris Turck und Dr. Angelika Erhardt-Lehmann vom MPI für Psychiatrie

Dr. Elisabeth Binder, Dr. Alon Chen, Dr. Chris Turck, Dr. Angelika Erhardt-Lehmann (v.l.n.r.)

Jedes Jahr verursachen Erkrankungen des Gehirns oder Nervensystems weltweit geschätzte Kosten von mehreren hundert Milliarden Euro. Um die Forschung auf diesem Gebiet voran zu bringen und europaweit zu vernetzen, vergibt die Europäische Kommission Förderungen im Rahmen des Programms ERA-Net NEURON. Gleich vier Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie (MPIP) haben sich dieses Jahr erfolgreich beworben und erhalten einen Teil des mit 10 Millionen Euro ausgestatteten, international begehrten Förderpreises.

Dr. Alon Chen, Dr. Chris Turck und Dr. Angelika Erhardt-Lehmann vom MPIP erhalten zusammen mit ihrer finnischen Kollegin Dr. Iiris Hovatta von der Universität Helsinki Förderung für ihr Projekt „Novel molecular pathways and biomarkers of anxiety disorders“. Ziel der Wissenschaftler ist es, die molekularen Mechanismen der Angstreaktion auf der Ebene des Genoms und der Proteine exakter zu verstehen. 

„Unser Ziel ist es, neue Signalwege zu identifizieren, die zentral sind für Ursache und Entwicklung von Angsterkrankungen. Dabei werden wir einen interdisziplinären Ansatz wählen, bei dem wir sowohl Mausmodelle nutzen, als auch Blutproben von Patienten untersuchen“, erklärt Dr. Alon Chen, Direktor am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

„Eines der Probleme der Behandlung von Angsterkrankungen ist, dass Medikamente nur bei einem Teil der Patienten wirken und auch dort oft mit Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden“, sagt Chris Turck, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie. Um bessere Therapien in Zukunft entwickeln zu können, sei ein genaueres Verständnis der biologischen Abläufe nötig, die bei der Regulation von Angst eine Rolle spielen.

Neben diesem Projekt sind Forscher vom MPIP zusätzlich am durch ERA-Net NEURON geförderten Projekt „Biological Mechanisms of Transgenerational Transmission of Early Life Stress“ beteiligt. Dr. Elisabeth Binder, Direktorin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, forscht gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Kanada, Finnland, Deutschland und den USA an der Fragestellung, über welche biologischen Mechanismen sich frühkindliche Traumata von Generation zu Generation fortpflanzen können. 

Das ERA-NET Programm geht zurück auf eine Initiative der Europäischen Kommission mit dem Ziel einer verbesserten europäischen bzw. internationalen Koordinierung der nationalen Forschung, an der inzwischen 21 fördernde Institutionen aus 16 europäischen Ländern sowie Kanada und Israel beteiligt sind. Unterstützt werden ausgewählte, hochkarätige Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Neurowissenschaft und Gehirnerkrankung. In Europa wird laut Bundesministerium für Bildung und Forschung schätzungsweise ein Drittel der gesamten Krankheitslast durch Erkrankungen des Nervensystems verursacht.

MG

Zur Redakteursansicht