Prof. Dr. Dr. Martin E. Keck
Prof. Dr. Dr. Martin E. Keck
Direktor der Klinik und Chefarzt
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Tagung in Wildbad Kreuth, Februar 2015 Bild vergrößern
Tagung in Wildbad Kreuth, Februar 2015

Klinische Forschung

Unsere Projekte konzentrieren sich in enger Zusammenarbeit und Ergänzung der Abteilungen Stress Neurobiologie und Neurogenetik sowie Translationale Forschung in der Psychiatrie auf die Erforschung der biologischen Wirkmechanismen von Psychotherapie, die optimale Anpassung der psycho- und pharmakotherapeutischen Behandlung an die individuellen Merkmale eines Patienten durch Biomarker-basierte Tests und die differenzierte Erfassung kognitiver Defizite depressiver Patienten sowie deren Bedeutung für eine individualisierte Therapie.
Übergeordnetes Ziel ist die Optimierung der klinischen Versorgung unserer Patienten. In einer groß angelegten Psychotherapiestudie beispielsweise setzen wir dazu ein breites Spektrum psychologischer und biologischer Verfahren, wie Bildgebung (cMRT, fMRT), psychophysiologische Paradigmen oder molekulargenetische Methoden, ein.

Biologische Neuropsychotherapie

Nach heutigem Erkenntnisstand liegen die Ursachen psychischer Störungen in einer multifaktoriellen Genese begründet, d. h. entsprechend einem Diathese-Stress-Modell entstehen sie durch das komplexe Zusammenspiel zahlreicher Vulnerabilitätsgene und Umweltfaktoren. Umwelteinflüsse (z. B. überdauernde Belastungen, Lebensereignisse, Traumata) wiederum wirken über diverse neurobiologische Kanäle (z. B. Transmittersysteme, Stresshormonachse) auf unseren Organismus ein und ziehen nachhaltige somatische und psychische Veränderungen nach sich. Daraus resultiert, dass die Therapie psychischer Störungen einerseits direkt über biologische Pfade (z. B. durch Pharmakotherapie) oder indirekt über die Veränderung unserer Umwelt, unseres Verhaltens und Erlebens (z. B. durch Psychotherapie) erfolgen kann.

Ziel der biologischen Neuropsychotherapie ist die Erforschung von molekulargenetischen und psychoneuroendokrinologischen Mechanismen, die den Veränderungen im Verhalten und Erleben während einer Psychotherapie zugrunde liegen. Was geschieht in unserem Körper während einer Psychotherapie, wie lassen sich psychotherapeutische Prozesse in unserem Gehirn abbilden? Welche Prädiktoren für ein positives Ansprechen auf eine Therapie lassen sich identifizieren? Welche Subgruppe von Patienten profitiert am meisten? Psychotherapeutische Effekte werden auf diese Weise neurowissenschaftlich validiert und auf eine objektive, fundierte Basis gestellt. Bisherige neurobiologische Nachweise für die Wirksamkeit von Psychotherapie sollen durch unsere Forschungstätigkeit umfassend erweitert und ausdifferenziert werden.

In einer neu angelegten Psychotherapiestudie in unserer Klinik werden emotionale, kognitive und interpersonelle Prozesse während einer Psychotherapie in zahlreichen neurobiologischen und biochemischen Verfahren breit gefächert abgebildet. Dabei liefern beispielsweise psychophysiologische Messungen (EKG, Blutdruck, Herzfrequenz, elektrodermale Aktivität), bildgebende Verfahren (Magnetresonanztomographie, cMRT, fMRT), der Dexamethason-Stimulationstest zur Untersuchung des Stress-Hormon-Systems oder die Analyse von Laborparametern, Proteinen, Immunparametern und nicht zuletzt (epi-)genetischer Merkmale (DNA, RNA) Einblick in das komplexe Geschehen.

Unsere Arbeit soll neue Impulse im Bereich der Psychotherapie in Forschung und Praxis liefern. Wir möchten einen wissenschaftlichen Beitrag zur Ausformulierung von Leitlinien für eine neurowissenschaftlich fundierte Praxis der Psychotherapie leisten.

Kognitive Störungen bei Depression

Neben Veränderungen des emotionalen Erlebens beschreiben depressive Patienten in über 90 % der Fälle auch subjektive Einschränkungen der Konzentrationsfähigkeit, der Aufmerksamkeit, der Gedächtnisleistung und unterschiedlicher Exekutivfunktionen. In etwa der Hälfte der Fälle lassen sich diese Defizite sowohl in der akuten Episode als auch über die Remission hinaus objektivieren. Diese erschweren nicht nur psychotherapeutische Behandlungsstrategien, sondern spielen nicht zuletzt eine große Rolle für persistierende Beeinträchtigungen der sozialen und beruflichen Funktionsfähigkeit sowie der Lebensqualität. Daher hat die genaue Evaluation der Defizite zu Behandlungsbeginn und im Krankheitsverlauf eine hohe Bedeutung für die maßgeschneiderte Planung neuropsychologischer, verhaltens- und ergotherapeutischer Interventionen zur Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten.  In der Forschung liegt der Schwerpunkt vor allem in der Klärung der Interaktion zwischen biologischen Veränderungen und funktionellen Einschränkungen der Kognition sowie in der Weiterentwicklung von gezielten Behandlungsmöglichkeiten. Hier besteht eine enge Kooperation zwischen Neuroradiologen, Neuropsychologen und Psychiatern, durch die eine zeitnahe Übertragung der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die Patientenversorgung unserer Klinik sichergestellt wird.

Diese Projekte werden unterstützt durch die Forschungsgruppen:

Psychotherapiestudie

Klinische Neuroendokrinologie

Molekulare Psychotraumatologie

Schlafendokrinologie

Soziale Neurowissenschaften

 
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