Leonhard Schilbach und soziale Interaktion

Ein herzliches Willkommen für den Psychiater und Neurowissenschaftler Leonhard Schilbach

2. März 2015

Ab März 2015 wird Leonhard Schilbach seine unabhängige Max-Planck-Forschungsgruppe „Soziale Neurowissenschaft“ und die „Ambulanz für Störung der sozialen Interaktion“ am Max-Planck-Institut für Psychiatrie aufbauen. Klinisch wird er Patienten unterstützen, die beispielsweise im Rahmen einer Depression, eines hochfunktionalen Autismus oder einer sozialen Phobie Probleme dabei haben, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Wissenschaftlich wird er die Vorgänge im Gehirn während der Interaktion mit anderen Menschen erforschen.

Der gebürtige Bremer Leonhard Schilbach in „typisch norddeutschem Habitat“.

Leonhard Schilbach studierte Medizin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald, der Technischen Universität Dresden, dem University College in London (GB) und der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore (USA). Anschließend habilitierte er an der Universität zu Köln im Bereich der experimentellen Psychiatrie und sozialen Neurowissenschaft. Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er unter anderem 2009 den Hans-Heimann-Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie & Nervenheilkunde (DGPPN) und 2013 den Barbara-Wengeler-Preis der Barbara-Wengeler-Stiftung.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit als Psychiater und Oberarzt am Universitätsklinikum Köln leitete Leonhard Schilbach bereits dort eine Forschungsgruppe, in der er sich mit den neurobiologischen Vorgängen bei der Wahrnehmung anderer Menschen und der sozialen Interaktionen beschäftigte. „Mein wissenschaftliches Interesse für das Gehirn ist durch die Psychiatrie und Sorge für Patienten entstanden, aber auch aus dem allgemeinen Interesse dafür, wie Kommunikation zwischen Menschen eigentlich funktioniert“, erzählt Leonhard Schilbach. „Psychische Erkrankungen, wie z. B. Autismus, Depression und soziale Phobie, können Einfluss auf die Fähigkeit haben, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Umgekehrt können aber auch Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Kontakt das Auftreten von psychischen Erkrankungen begünstigen.“

In der neuen Ambulanz am Max-Planck-Institut für Psychiatrie wird Leonhard Schilbach ausführliche Diagnostik und individuelle Therapien für erwachsene Personen anbieten, die an Störungen der sozialen Interaktion leiden. Wissenschaftlich verfolgt er den völlig neuen Ansatz der „Second-Person Neuroscience“, welcher die dynamischen Prozesse und Wechselseitigkeit der sozialen Interaktion in den Blick nimmt. Dadurch können beispielsweise Augenbewegungen und Hirnaktivität aus der „Teilnehmerperspektive“ während sozialer Interaktion erforscht werden.

„Insbesondere geht es darum, denkbare Gemeinsamkeiten und Unterschiede krankheitsbedingter Veränderungen der Vorgänge im Gehirn während einer sozialen Interaktion zu erfassen“, erklärt Leonhard Schilbach. „Darüber hinaus sollen diese Erkenntnisse zur Bewertung und Vorhersage von Therapieeffekten eingesetzt werden.“

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