Durch Präzision und Prävention die psychische Gesundheit verbessern

Münchner Forschungsverbund wird Teil des neuen Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit

12. März 2021
Eine interdisziplinäre Gruppe von ForscherInnen des LMU Klinikums, des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München, der Universität Augsburg, des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie und des Helmholtz Zentrums München wird künftig im Rahmen des neuen Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit an einer früheren, personalisierten und präventiven Behandlung von psychischen Erkrankungen arbeiten – zum Wohle der Patienten in Deutschland und weltweit.

"Wir freuen uns auf die großen Aufgaben und die Zusammenarbeit", sagt Direktorin Elisabeth Binder. "Gerade als Max-Planck-Institut sehen wir unsere Rolle darin, das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit zu unterstützen, um neue Erkenntnisse zu Krankheits-Mechanismen schneller in die Patientenversorgung zu bringen."

Als Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am 10. März auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz verkündete, dass der Forschungsverbund PriMe (eng. Precision in Mental Health) –  bestehend aus dem LMU Klinikum, der Technischen Universität München, der Universität Augsburg, des Max- Planck-Instituts für Psychiatrie und des Helmholtz Zentrums – in das neue Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit aufgenommen wurde, war unter den beteiligten ForscherInnen die Freude groß.

Aber auch das Bewusstsein um die bevorstehenden Aufgaben ist groß: Psychische Erkrankungen gehören aufgrund ihres häufigen Auftretens, ihres frühen Beginns und ihrer nach wie vor ungünstigen Verläufe zu den Volkskrankheiten mit wachsender Krankheitslast – in Deutschland und international. So treten 75 Prozent der psychischen Erkrankungen bis zum 25. Lebensjahr auf und verstellen den Betroffenen damit sehr früh die Möglichkeit, einen produktiven und erfolgreichen Lebensentwurf zu verwirklichen.

Forschungen haben zwar zu einem verbesserten Verständnis der komplexen Wechselwirkungen zwischen Genen, Umwelt und Gehirn geführt, die psychischen Erkrankungen zugrunde liegen. Dieses Wissen konnte allerdings bisher nicht in verbesserte diagnostische, prognostische und therapeutische Verfahren umgesetzt werden: Es fehlte einerseits die Technologie, um diese Komplexität im einzelnen Patienten zu verstehen, andererseits konzentrierte man sich auf einzelne Aspekte psychischer Erkrankungen und verlor dabei oft das große Ganze aus dem Blick. Außerdem fehlten Strukturen, die es erlauben würden, neue Verfahren in einem kliniknahen Umfeld zu erproben – und dies gerade in einem Ansatz, der Patienten in allen Krankheitsphasen gleichermaßen erfasst.

„An dieser Schwachstelle setzt das Neue Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit an“, sagt Prof. Peter Falkai, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Koordinator von PriMe. „Es wurden Zentren ausgewählt, die komplementäre Stärken aufweisen und daher das gesamte Spektrum der psychischen Erkrankungen sowie der derzeit verfügbaren Forschungsinstrumente abdecken. Wir in PriMe interessieren uns vor allem für die Entwicklung von präziseren Methoden zur Diagnose- und Prognosestellung in Verbindung mit einer dann präziseren Auswahl und Weiterentwicklung therapeutischer Verfahren durch multi-zentrische klinische Studien. Hierbei sollen vor allem Methoden der Künstlichen Intelligenz sowie grundlagenwissenschaftliche Modellsysteme miteinander verschränkt werden, um die Mechanismen der Krankheitsentstehung, der Aufrechterhaltung und der Resilienz – insbesondere bei Patienten mit psychotischen und affektiven Erkrankungen – besser zu verstehen. Wir erwarten, dass im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit aus diesem besseren Verständnis zügig neue Behandlungsoptionen für die betroffenen Patienten entstehen werden, die den Verlauf psychischer Erkrankungen grundlegend verändern werden.“

Die ausgewählten Standorte treten nun in eine Netzwerkphase ein, in der das gemeinsame Forschungsprogramm vorbereitet werden soll. Startschuss für das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit ist laut Angaben des BMBF der Januar 2022.

Quelle: LMU Klinikum

Zur Redakteursansicht